Lytro Illum – Lichtfeldkamera

Kann man die Fotografie neu erfinden? Sicher nicht. Aber man kann der Fotografie einen neuen Aspekt, eine neue Blickrichtung geben. Genau das versucht die Lytro Illum. Um zu verstehen, was die Kamera von konventionellen Digitalkameras unterscheidet, eine kurze Erklärung, wie ein Foto normalerweise aufgezeichnet wird.

Das Licht des Motivs gelangt durch das Objektiv auf den Sensor. Der Sensor zeichnet lediglich die Helligkeit eine bestimmten Punktes auf. Zunächst fehlen hier die Farbinformationen. Um die zu bekommen, haben die Pixel auf dem Sensor unterschiedliche "Filter": rot, grün und blau. Die Farb-Pixel sind über den Sensor nach dem sogenannten Bayer-Pattern auf dem Sensor verteilt. Die Software der Kamera, errechnet nun aus den einzelnen Bildpunkten ein Farbbild. Dieses fertige Farbbild zeigt nun scharfe und unscharfe Bereiche. Wie groß die sind und wo sie liegen, hängt von der eingestellten Entfernung des Objektivs und der Blende ab. Nachträglich lässt sich das nicht mehr ändern. Korrekturen können lediglich an der Helligkeit und der Farbe gemacht werden – je nach Datei und Programm mehr oder weniger stark.

Was macht die Lytro nun anders? Auch hier gelangt das Licht durch das Objektiv und tritt auf eine Art Sensor: Den Megaray-Sensor. Der erkennt allerdings nicht nur die Helligkeit und die Farbe des auftreffenden Lichtes, sondern zusätzlich die Richtung und Entfernung. Das heißt: Von jedem Punkt des Motives kennt die Kamera die Richtung und die Entfernung sowie Helligkeit und Farbe. Und das fast unabhängig von der eingestellten Blende und Entfernung – fast. 

Der Sensor der Lytro hat 40 Megarays, was allerdings nicht bedeutet, dass die fertigen Bilder dann eine Dateigröße von 40 Megapixeln haben. Tatsächlich bekommt man Bilder mit rund vier Megapixel. Und was ist nun das besondere an den Bildern? Mit einer speziellen Software kann man die Schärfe und Unschärfe nachträglich festlegen. Das heißt, ich kann per Mausklick die Schärfe auf den Vordergrund legen oder den Hintergrund. Ich kann genauso den Blendenschieber von f2.0 bis f16 bewegen und so den Bereich der Unschärfe anpassen – ganz wie bei einer normalen Aufnahme. Ich habe so die Möglichkeit, interaktiv mit dem Foto zu arbeiten.  

Ein Beispielbild, das ich auch in meinem Photokina-Video vom 4. Tag zeige seht ihr hier:

https://pictures.lytro.com/lytro/collections/41/pictures/832635

Um es ganz klar zu sagen: Die Lytro Illum ist kein Ersatz für eine normale Spiegelreflex- oder Systemkamera sondern einen Ergänzung. Die Fotos der Lytro sind für Interaktion gedacht und damit praktisch nur für den Bereich Online. In einem gedruckten Buch macht ein Lytro-Foto wenig Sinn, da das spielerische – anpassen der Schärfe – nicht möglich ist, sondern das Bild statisch ist. Die Lytro-Fotografie stellt neue Anforderungen an den Fotografen. Er muss sich schon vorher Gedanken machen, welche Effekte er erzielen möchte und wie der Bildausdruck beim Betrachter aufgenommen wird. Ich denke, wir stehen hier erst am Anfang der Möglichkeiten. Beispielsweise ist es denkbar, dem Betrachter bereits beim Aufrufen des Bildes die unterschiedlichen Eindrücke zu präsentieren – quasi wie in einem Film. 

Noch ein paar Fakten zur Lytro-Kamera: Die Kamera wiegt rund ein Kilogramm, hat ein 8fach optischen Zoom mit einer Brennweite von 30 bis 250 Millimeter und einer durchgängigen Lichtstärke von f2.0. Die kürzeste Aufnahmeentfernung beträgt null Millimeter von der Frontlinse, man kann als praktisch direkt ran ans Motiv. Der 40 Megaray-Sensor hat eine Größe von 10,8 x 7,5 Millimeter. Der ISO-Bereich geht von ISO 80 bis ISO 3200. Ausgestattet ist die Kamera mit einem Klappmonitor, der in Touchscreen-Technik gebaut ist. Die Auflösung eines 2D-Bildes beträgt 2450 x 1634 Bilpunkt, entsprechend vier Megapixel. Die kürzeste Belichtungszeit beträgt eine 1/4000 Sekunde, die längste 32 Sekunden. 

Zu Anfang hatte ich geschrieben, dass die Blende fast keinen Einfluss auf den Schärfebereich hat. Damit die Kamera die eintreffenden Lichtstrahlen präzise zuordnen kann, müssen die scharf abgebildet auf den Sensor gelangen – hier greift dann natürlich wieder die normale optische Physik. Die Lytro nimmt jedes Bild mit der kleinst möglichen Blende f16 auf um so einen möglichst großen Bereich scharf auf dem Sensor abzubilden. Damit der Fotograf nun genau weiß, welcher Bereich das ist, kann das Display umgeschaltet werden. Darauf wird dann durch farbige Linien – ähnlich dem Peaking – angezeigt, von wo bis wo die Kamera das Licht scharf erfasst. Die vordere Grenze wird mit blauen und die hintere Grenze mit roten Linien angezeigt. So kann der Fotografie bereits vor der Aufnahme festlegen, in welchem Bereich man später die Schärfe positionieren kann.

Hier noch mal die wichtigsten Punkte der Lytro Illum:

Meine Einschätzung

Die Lytro Illum ist kein Ersatz für eine konventionelle Spiegelreflex- oder Systemkamera, sondern eine Ergänzung. Sie bietet dem Fotografen zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten der Bildgestaltung und die Möglichkeit den Betrachter interaktiv an der Gestaltung des Motivs zu beteiligen. Das erfordert eine neue Sichtweise und ist eine zusätzliche Herausforderung. Wer sich der stellt und versteht, wie die Lytro Fotos umsetzt, bekommt mit der Lichtfeldkamera eine spannendes Produkt. Ich glaube, dass wir hier erst den Anfang einer neuen Richtung der Fotografie erleben. Spannend wird es dann, wenn diese Technik nur bei Standbildern, sondern auch bei Bewegtbildern eingesetzt werden kann. Das, was bisher das Schärfeziehen war und viel Erfahrung erforderte, kann später vielleicht auf elektronischem Weg gemacht werden. Für mich ist die Lytro Illum eines der spannendsten Produkte der Photokina 2014 und ich freue mich schon auf einen Test. 

Die Lytro Illum gibt es ab September 2014 zum Preis von 1599 Euro.